Seinap Gaschaeva

„Das einzige, wovor ich Angst habe, wenn ich nach Tschetschenien reise, ist, dass sie mich von hinten erschießen.“

Seinap Gaschaeva wurde 1953 in Kasachstan geboren, wohin die Tschetschenen 1944 unter Stalin verbannt worden waren. Sie ist verheiratet, hat vier Kinder. Bis zu Beginn des ersten Tschetschenienkrieges arbeitete sie als Betriebsdirektorin einer Brotfabrik in Grozny.

Während des Ersten Tschetschenienkrieges dokumentierte sie zusammen mit der ehemaligen Schauspielerin Maja Schovkhalova, oft in lebensgefährlichen Situationen, die russischen Kriegsverbrechen. 1999 war sie Augenzeuge des Raketenangriffs auf den belebten Markt von Grozny, dem 180 Menschen sofort, weitere 120 aufgrund schwerer Verletzungen zum Opfer fielen. Der für dieses Massaker an wehrlosen Zivilisten verantwortliche russische Befehlshaber, General Kasanzev, erhielt 2003 den Andreas-Orden und wurde nach Deutschland eingeladen.

Sie führte Hunderte Interviews mit den Opfern von Menschenrechtsverletzungen und legte ein Archiv an. Mit ihren Fotos und Videos bereiste sie Europa, um auf die Situation in Tschetschenien aufmerksam zu machen. U. a. sprach sie 2002 vor der UNO- Menschenrechtskommission in Genf.

Sie gründete die Frauenorganisationen „Union nordkaukasischer Frauen“ und „Echo des Krieges“. U. a. organisiert sie Erholungsaufenthalte tschetschenischer Kinder bei russischen Familien, damit die Kinder lernen, dass nicht alle Russen mordende Soldaten sind.

Seinap Gaschaeva lebt in Moskau und Grozny. Nach wie vor fotografiert und filmt sie die Opfer des Krieges. Ihre Videosammlung füllt hunderte Regale, Kisten und Taschen.

2004 entstand über sie und ihre Arbeit ein Dokumentarfilm von Eric Bergkraut „Coca – die Taube“, der auf der Berlinale 2005 gezeigt wurde.

Zahlreiche Appelle, Berichte und Interviews in Presse, Funk und Fernsehen.